„Wer wohnt denn eigentlich da nebenan? Und bei wem kann ich sonntags mal klingeln, wenn mir ein Ei fehlt oder ich zum Backen noch etwas Mehl brauche?“

Im Juli stand das Thema „Nachbarschaft“ im Mittelpunkt unseres Projekts „12 Monate – 12 Themen. Viele Menschen aus dem Stadtteil hatten in der Befragung geäußert, dass sie die Menschen, die nebenan oder im selben Haus wohnen, gar nicht wirklich kennen. Begegnungen finden häufig nur flüchtig statt, ein kurzes „Hallo“ im Treppenhaus, ein freundliches Nicken auf der Straße. Doch echte Begegnungen, bei denen man ins Gespräch kommt, sich austauscht und vielleicht sogar neue Kontakte knüpft, gibt es viel zu selten.

Genau dafür sollte ein Anlass geschaffen werden. Es sollten Räume und Gelegenheiten entstehen, in denen Nachbar:innen ganz natürlich zusammenkommen, ein Gespräch entstehen und man sich besser kennenlernen kann. Denn Nachbarschaft kann so viel mehr sein als das Wissen, wer im Haus nebenan wohnt.

Die Idee, diese Gelegenheit durch einen Floh- und Tauschmarkt zu schaffen, kam auch durch den vielfach geäußerten Wunsch: „Wir wollen einen Flohmarkt bei uns in der Straße veranstalten.“ Ganz unkompliziert und ohne große Hürden: keine Anmeldung, kein Standgeld, einfach eine Decke mitbringen, ausbreiten und los geht’s.

Am Freitag, den 03.07. war es dann soweit. Der IKJG-Bus wurde mit Decken, Kaffee, Kuchen und Keksen gepackt, die Musikbox aufgeladen und gemeinsam ging es in die Graf-von-Stauffenberg-Straße.

Vor den Hausnummern 15–17 füllten sich nach und nach immer mehr Decken mit Spielzeug, Kleidung, Büchern, Schmuck und allerlei Dingen, die ein neues Zuhause suchten. Bei geschäftigem Treiben in der Sonne wurde gestöbert und gefeilscht, über die neuesten Spielzeugtrends gesprochen und natürlich die eine oder andere Tasse Kaffee getrunken.

Um das gegenseitige Kennenlernen noch ein wenig zu unterstützen und sichtbar zu machen, was in der Nachbarschaft gesucht oder angeboten wird, hatten die Mitarbeiterinnen der IKJG außerdem eine„Biete & Suche“-Wand vorbereitet. Im Laufe des Nachmittags trugen die Nachbar:innen fleißig ein, was ihnen im Alltag immer wieder fehlt, oder was sie selbst regelmäßig zu Hause haben und gerne mit anderen teilen würden.

Ganz nebenbei entstanden so neue Gespräche: Wer backt gerne? Wer könnte im Notfall einmal auf die Kinder aufpassen? Und bei wem könnte man eigentlich klingeln, wenn sonntags beim Backen plötzlich die Eier fehlen?

Die Aktion hat im Kleinen und ganz konkret nachbarschaftliche Verbindungsmöglichkeiten aufgezeigt, die hoffentlich auch zukünftig gepflegt und vertieft werden – damit beim nächsten Mal wenn Zitronen gebraucht werden tatsächlich bekannt ist, bei wem nebenan geklingelt werden kann und einem kurzen „Hallo“ im Treppenhaus ein längeres Gespräch folgt.